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20 Jahre Praxis

Veröffentlicht am 25.10.2017

DenDieses Tuch ist seit den Anfangsjahren der Praxis als fester Bestandteil an der Decke angebracht und bietet dem Auge Abwechslung während der Behandlungen in Rückenlage.Dieses Tuch ist seit den Anfangsjahren der Praxis als fester Bestandteil an der Decke angebracht und bietet dem Auge Abwechslung während der Behandlungen in Rückenlage.ke ich selbst an die Anfänge in der Praxis zurück, fällt mir als erstes ein, dass es 1997 noch kein Google und keine Handys gab. Auffällig ist, welch rasante Entwicklung unser gesamtes Leben in diesen zwanzig Jahren genommen hat. Die Zeit ist insgesamt viel schnelllebiger und auch unverbindlicher geworden. Trotzdem haben die Arbeit und das Fühlen mit den Händen den größten Stellenwert in diesen zwanzig Jahren eingenommen.

Hauptbestandteil der osteopathischen Arbeit ist in meiner Praxis die craniosakrale Therapie. Eine der größten Herausforderungen war und ist es, sich einerseits auf das Fühlen und den Kontakt zum Patienten einzulassen, andererseits aber auch eine notwendige Distanz zu wahren. Eine der häufigsten Fragen war immer wieder, wie ich mir denn selbst helfe. Der Selbstbehandlung sind schon aus körperlichen Gründen Grenzen gesetzt, da man mit seinen eigenen Händen nicht alle Körperregionen ausreichend erreicht. Es ist sinnvoller, sich von Kollegen helfen zu lassen. Viel wichtiger für mich selbst sind regelmäßige Körperübungen, die keinen rein sportiven Charakter tragen, sondern das Behandlungskonzept wieder aufgreifen. Dazu gehören für mich Qigong und meditative Bewegung nach Musik. Immer wieder konnte ich beobachten, dass sich viele schwertun, sich einfach nach ihrem eigenen Körpergefühl nach Musik zu bewegen. War diese erste Hemmschwelle jedoch überwunden und wurde dies regelmäßig ausgeübt, konnte ich erstaunliche Verbesserungen des Bewegungsablaufs gerade bei kranken und auch älteren Personen beobachten.

Qigong ist ein Teil der fernöstlichen Gesundheitslehre und nimmt Einfluss auf das Meridiansystem im Körper. Beschäftigt man sich mit verschiedenen Gesundheitskonzepten, kann man immer wieder Übereinstimmungspunkte zwischen diesen Konzepten ausmachen. Als Beispiel seien die Konzeptions- und Lenkergefäße der traditionellen chinesischen Medizin sowie die Bedeutung der Wirbelsäule und der vorderen Körpermitte in der Osteopathie genannt. Vor Jahren konnte ich in Berlin eine Ausstellung besuchen über chinesische Meisterleistungen bereits vor unserer Zeitrechnung. Zu besichtigen war eine mannshohe lebensechte Bronzefigur, auf der alle Meridiane als Linien eingezeichnet waren. Die entsprechenden Akupunkturpunkte waren als kleine stecknadelgroße Löcher eingearbeitet. Diese Figur konnte man zu Prüfungszwecken mit Wachs überziehen und von oben mit Wasser befüllen. Jeder kann sich jetzt selbst ausmalen, woran der Prüfer erkennen konnte, ob der Punkt mit der Akupunkturnadel getroffen wurde oder nicht.

Das Konzept der traditionellen chinesischen Medizin umfasst auch ein anderes Verständnis der Einteilung der Nahrungsmittel. Nicht nur der Nährstoffgehalt ist entscheidend, sondern ebenso die Wärmewirkung auf den Organismus. Die von Oma bekannte Hühnersuppe bei fiebrigen Erkältungen oder die Rinderbrühe zur Kräftigung bei erschöpften Personen deckt sich mit dem fernöstlichen Verständnis, dass über einen längeren Zeitraum zugeführte Energie von einem Nahrungsmittel gespeichert wird und beim Verzehr vom Körper aufgenommen wird. Milchprodukte und Rohkost wirken abkühlend auf den Körper und können im Winter das Wärmeempfinden des Körpers herabsetzen.

Für die Osteopathie sind fundierte Kenntnisse der Anatomie essentiell.  So zog es mich 2001 auch in die Ausstellung „Körperwelten“ in Berlin. Ich ging etwas zwiegespalten hin – es waren keine künstlichen Objekte, sondern diese Körper hatten auch so existiert. Faszinierend war für mich das präparierte Modell der Blutgefäße der Nieren – ein Höchstmaß an Ästhetik, Symmetrie und Funktionalität. Erschreckend fand ich für mich persönlich, dass die Darstellung der Gesichtsmuskulatur bei mir im Kopf ein Bild von dem Menschen formte.

Für die Anwendung der Pflanzenheilkunde ist es wünschenswert, so viele Pflanzen wie möglich selbst in ihrem Lebensraum zu sehen. Die größte Überraschung gab es für mich, als ich das erste Mal die Miniblüte des Augentrostes in der freien Natur sah. Meist wird in Büchern nur die Blüte abgebildet, oft als Makroaufnahme. In der traditionellen Pflanzenheilkunde werden Bestandteile der Pflanzen verwendet mit allen Inhaltsstoffen. Aus der langjährigen Bearbeitung pharmazeutischer Fachartikel weiß ich, dass oftmals nicht nur ein antibiotisch wirkender Bestandteil, sondern mehrere ähnlich gelagerte Stoffe in ein- und derselben Pflanze enthalten sind. Das für mich beeindruckendste Beispiel ähnlicher Wirkstoffe stellt diesbezüglich der Rote Fingerhut dar. Er enthält die Herzglykoside Digitoxin und Digoxin. Beide zeigen eine herzaktive Wirkung, beide besitzen insgesamt 118 beziehungsweise 119 Atome (Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff) und zeigen dieselbe komplexe Steroidgerüststruktur. Die Unterscheidung der beiden liegt nur in einer einzigen OH-Gruppe, der Rest ist absolut identisch. Trotzdem verhalten sich diese beiden Verbindungen höchst unterschiedlich in unserem Körper hinsichtlich der Ausscheidungsdauer und des -ortes. Der Fingerhut und seine Glykoside werden heute nicht mehr verwendet, da die herzaktive Dosis sehr schnell toxisch wirken kann. Dieses Beispiel zeigt uns, dass es in der Naturheilkunde seine Berechtigung haben kann, Pflanzen als Gesamtauszug und nicht nur als Monopräparat einzusetzen.

Als Chorsängerin fühlte ich mich sofort angesprochen von einem Ausbildungsmodul „Osteopathie und Stimme“. Dies war eine besondere Erfahrung, selbst singen zu müssen und dann anhand von Haltungs- und Spannungsänderungen im Körper die Veränderung der Stimme wahrzunehmen. Der Dozent vertrat die Idee, dass sich Unterkiefer, Zungenbein, Halsmuskeln und Kehlkopf wie Schaukeln verhalten und die Hals- und Zungenbeinmuskulatur um den Kehlkopf herum ein Spannungsmuster ähnlich einem Spinnennetz aufweist. Ein sehr schönes Bild für die Bedeutung der Körpersymmetrie und der Körpermitte.

Die Domäne der Naturheilkunde liegt für meine Begriffe in der Umstimmungstherapie. Nicht immer schafft es der Körper, die ursprüngliche Gesundheit nach einem Krankheitsfall wiederherzustellen. Dann benötigt der Körper mehrfache Impulse, um die Heilung zu vervollkommnen. Dafür braucht es manchmal Geduld und eine aktive Mitarbeit des Patienten. In einem Buch über japanische Samuraischwerter wurde ein Meister der Schmiedekunst nach seinem Herstellungsgeheimnis gefragt. Er gab an, dass er dieses Geheimnis jederzeit an jeden weitergeben kann. Ob derjenige dieses dann verwenden kann, hängt davon ab, wie er diese Technik mittels seiner Erfahrungen und Übungen vervollkommnet“. Mit diesem Spruch möchte ich mich bei allen Patienten für das Vertrauen in meine Arbeit bedanken!

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