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NEM

Veröffentlicht am 09.01.2020

Nahrungsergänzungsmittel (NEM) sind in aller Munde. Sie sollen wichtige physiologisch wichtige Stoffwechselbestandteile wir Mineralien oder Vitamine ersetzen. Dabei wird ein sehr mechanisches Bild von unserem Körper gezeichnet: was ich aus dem Regal entnehme, muss wieder aufgefüllt werden. Besser noch, ich lege mir zusätzlich einen kleinen Vorrat an. Somit soll dem Mangel begegnet werden. Gleichzeitig werden die Probleme einer möglichen Überdosierung vernachlässigt. NEM dürfen nicht mit einer gesundheitsbezogenen Werbeaussage vermarktet werden, da sie den Lebensmitteln zuzurechnen sind. Und an dieser Stelle wird es für den Verbraucher unübersichtlich hinsichtlich Grund und Dauer einer Einnahme.

Der Sauerstofftransport im Blut ist nur mittels Hämoglobin möglich, dessen Zentralatom Eisen darstellt. Dieser Wert wird als HB-Wert im Blut gemessen. Ca. 20% des aufgenommenen Eisens wird als Ferritin gespeichert und kann als Transferrin wieder im Körper mobilisiert werden. Unser Eisenbedarf sollte komplett aus der Nahrung gedeckt werden. Tierische Lebensmittel enthalten zweiwertiges Eisen, welches unser Körper gut aufnehmen und verstoffwechseln kann. Pflanzliche Lebensmittel enthalten dreiwertiges Eisen, welches schlecht löslich ist und mit zunehmenden pH-Wert im Magen/Darm-Trakt nicht mehr aufgenommen werden kann. Eine Mischkost, eine gute Salzsäureproduktion im Magen sowie Zitronen-, Milch- und Ascorbinsäure (Vitamin C) fördern die Eisenaufnahme. Eine Hemmung erfolgt durch Rotwein, Kaffee und Phosphate (Cola). zu den Eisenmangelsymptomen gehören Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Leistungsabfall, Kurzatmigkeit, brüchige Nägel, Haarausfall. Schwangerschaft, Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder verlängerte / verstärkte Regelblutungen können zum Eisenmangel führen. Nach einer dreimonatigen Eiseneinnahme sollte spätestens ein Effekt in Bezug auf den Eisenspiegel zu verzeichnen sein. Wird über eine Unverträglichkeit der Eisenprodukte geklagt, insb. einsetzender Verstopfung, ist dies meist ein Zeichen auf eine zu starke Eisenzufuhr. Der Körper kann zu viel aufgenommenes Eisen nicht regulativ ausscheiden.

Den Knochenstoffwechsel verbinden wir alle mit Vitamin D und Calcium. Unsere Knochen durchlaufen lebenslang einen Wechsel zwischen Knochenauf- und abbau, reguliert durch Calciumeinlagerung oder Calciumabbau aus den Knochen. In den ersten Lebensjahren erfolgt fast nur Knochenaufbau, während ab dem 40. Lebensjahr der Knochenabbau verstärkt wird. Das Wechselspiel von Auf- und Abbau wird durch Calcitonin (aus der Schilddrüse) und Parathormon (aus der Nebenschilddrüse) gesteuert. Beide fungieren als Gegenspieler. Störungen in diesem hormonell gesteuerten Knochenstoffwechsel führen insbesondere bei Frauen zur Osteoporose. Risikofaktoren sind eine Fruchtbarkeitsdauer von weniger als 35 Jahren, keine Geburten, gehäuftes Auftreten in der Familie, Nikotin-, Alkohol- und Koffeinmissbrauch und eine lebenslange (!) verminderte Calciumzufuhr. Vitamin D wird in der Haut durch UV-Strahlung aus einer Vitamin-D-Vorstufe gebildet. Es wird in der Niere aktiviert und fördert dann die Aufnahme von Calcium im Darm. Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann zu einer Vitamin-D-Überdosierung führen, woraufhin Calcium im Gewebe (u.a. Gefäßwänden) abgelagert wird. Aus diesem Grund fügt man Vitamin K2 zu diesen Präparaten hinzu, da sie den Einbau von Calcium in den Knochen fördern. Allerdings verträgt sich Vitamin K nicht mit der gleichzeitigen Einnahme von Gerinnungshemmern, da Vitamin K die Blutgerinnung fördert. Ein Vitamin-D-Mangel führt zu den Krankheitsbildern Rachitis bei Kindern (=Osteomalazie bei Erwachsenen).

Kürzlich habe ich den Satz gelesen: „Man kann sich mit Lebensmitteln nicht gesund essen“. Jein! Es gibt eindeutig schädigende Genussmittel und es gibt Lebensmittel, die bei bestimmten Erkrankungen hilfreich sein können. Insofern kann die Einnahme von NEM über einen kurzen (!) Zeitraum unterstützend wirken und Mangelzustände ausgleichen.


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